Warum ist der Buchsatz so wichtig? – Kriterien für optimale Lesbarkeit

Damit aus dem Word-Manuskript ein fertiges Buch werden kann, muss die Text-Datei erst einmal in Form gebracht werden. Diesen Schritt der Formatierung des Textes nennt man Buchsatz. Er steht dann an, wenn das Manuskript fertig überarbeitet, lektoriert und korrigiert ist – sich also nichts mehr am Text verändert –, und ist der letzte Schritt, bevor das Manuskript in den Druck kommt.

Aber warum ist der Buchsatz überhaupt so wichtig?

Kurze Antwort: Für die Lesbarkeit!

Lange Antwort:

Wenn wir einen Text lesen, liest unser Auge nicht jeden Buchstaben nacheinander, sondern springt entlang der Wortbilder, um Buchstaben- und Wortmuster als Ganzes zu erkennen.  Typografisch aufbereitete Texte unterstützen diesen Lesefluss – während unsauber aufbereitete Texte ihn sogar hemmen!

Um eine optimale Lesbarkeit zu garantieren, ist es wichtig, die Faktoren zu kennen, die einen Einfluss auf die Lesbarkeit haben. Im Folgenden wollen wir sie einmal im Detail vorstellen.

Kriterien der Lesbarkeit

Kriterium Schriftart

Bei langem Fließtext ist es oft – aber nicht grundsätzlich – besser, eine Serifen-Schrift zu benutzen (Also die mit den Füßchen am Buchstaben). Die Serifen betonen die Textzeilen, sodass unsere Augen den Zeilen besser folgen können.

Auch serifenlose Schriften können sich jedoch für den Fließtext eignen, denn generell gelten die Schriften als leserlich, deren Formen zueinander im Kontrast stehen. Sie müssen sich ähnlich genug sein, um einen gleichmäßigen Gesamteindruck zu erzeugen, sich jedoch stark genug voneinander unterscheiden, um eine schnelle und eindeutige Identifizierung zu ermöglichen.

Achtung: Das gilt jedoch nur für den Print-Bereich! Sollen Texte auf dem Bildschirm gelesen werden, beginnen Buchstaben mit Serifen schnell zu verschwimmen, sobald sie eine kleinere Schriftgröße erreichen und sind daher schlechter auszumachen. Hier ist es besser, auf Schriften ohne Serifen zurückzugreifen.

Garamond
TheSerif
Scala Sans
Futura
Linotype Feltpen
Century Gothic

Kriterium Schriftgröße

Die richtige Auswahl der Schriftgröße hängt von der Zielgruppe, dem Format und der Bedeutung ihrer Botschaft ab. Während sich die Fließtext-Schriftgröße von belletristischen Texten meistens zwischen 10 und 11 Punkt bewegt, ist der Schriftgrad bei Büchern für Leseanfänger oder alten Menschen oft größer.

Auch von der Schriftart hängt die Schriftgröße ab. Serifenschriften mit starken Abweichungen in der Strichstärke kommen in kleinen Schriftgraden weniger gut zur Geltung, da die dünnen Linien nahezu verschwinden. Auch enge Schriften werden bei abnehmender Größe unleserlich.

Der gleiche Schriftgrad kann bei unterschiedlichen Schriften außerdem unterschiedlich groß wirken. Das liegt zum einen daran, dass sich die Schriftgröße an dem noch aus dem Bleisatz stammenden Metallkegel orientiert und es dem Designer selbst überlassen ist, wie viel Platz er auf dem (heute digitalen) Kegel für seine Buchstaben nutzt.

Zum anderen ist besonders die Höhe der Kleinbuchstaben (x-Höhe) dafür verantwortlich, als wie groß eine Schrift empfunden wird. Schriften mit im Verhältnis zum Großbuchstaben höherer x-Höhe wirken bei gleichem Schriftgrad größer als Schriften mit geringerer x-Höhe.

Eine universelle Regel zur Wahl der richtigen Schriftgröße gibt es daher nicht. Einen kleinen Tipp haben wir dennoch: Wenn du glaubst, die ideale Schriftgröße für dein Projekt gefunden zu haben, druck dir testweise einfach mal eine Seite aus. Ausgedruckt wirken Schriften nämlich noch mal anders als auf dem Bildschirm. Damit bist du auf der sicheren Seite!

Kriterium Zeilenabstand

Damit man beim Lesen nicht aus Versehen in die falsche Zeile rutscht, muss auch der Zeilenabstand passend zur Schrift gewählt werden. Der Standard-Richtwert für den passenden Zeilenabstand liegt bei 120% des Schriftgrads (im belletristischen Satz wird er jedoch häufig größer gewählt). Dabei sollte man aber immer weitere Faktoren zur Ermittlung des idealen Zeilenabstandes heranziehen.

Kürzere Zeilen verlangen einen kleineren Zeilenabstand als längere Zeilen. Auch die x-Höhe ist bei der Wahl des Zeilenabstands relevant, da hiervon der wahrgenommene weiße Zwischenraum zwischen den Zeilen abhängig ist. Bei Schriften mit mehr Zwischenraum (also niedriger x-Höhe) ist ein geringerer Zeilenabstand nötig als bei Schriften mit größerer x-Höhe.

Generell sollte bei der Wahl des Zeilenabstands die Zeilenlänge, die Schriftart, die Schriftgröße und der Schriftschnitt immer mitberücksichtigt werden.

zu großer Zeilenabstand
harmonischer Zeilenabstand
zu enger Zeilenabstand
harmonischer Zeilenabstand
zu enger Zeilenabstand
harmonischer Zeilenabstand

Kriterium Zeilenbreite

Für die Lesbarkeit eines Textes spielt die Länge einer Zeile eine wichtige Rolle. Sie muss immer in Relation zum Schriftgrad und zum Zeilenabstand gesehen werden. Bei zu langen Zeilen hat der oder die Leser*in Mühe, den Anfang der folgenden Zeile zu finden. Zu kurze Zeilen wirken unruhig, weil das Auge zu häufig zur nächsten Zeile springen muss.

Je nach Schrift, Satzart und Zeilenabstand sollte die Zeilenlänge mit Bedacht angepasst werden. Der Richtwert für eine optisch elegante und gut lesbare Satzbreite liegt bei etwa 60 Zeichen pro Textzeile. Texte bei größeren Formaten werden meist mehrspaltig gesetzt – hier liegt der Richtwert bei etwa 35-50 Zeichen pro Zeile.

Kriterium Satzart

Die gängigsten Satzarten sind Blocksatz, rechts- und linksbündiger Flattersatz sowie der zentrierte Satz. Dabei kommt in der Belletristik hauptsächlich der Blocksatz, seltener der linksbündige Flattersatz zum Einsatz.

Beim Blocksatz ist der Text so gesetzt, dass alle Zeilen gleich lang sind, er also sowohl links- als auch rechtsbündig ist. Dadurch entstehen klar umrissene Spalten und ein geschlossenes Gesamtbild. Da beim Blocksatz große Wortabstände oder Gießbäche (mehrere Wortabstände untereinander) entstehen können, muss hier häufig manuell nachgebessert werden.

Der Flattersatz hat den Vorteil, dass oft Silbentrennungen vermieden werden, die den Lesefluss beeinträchtigen könnten. Es muss jedoch auf einen ausgewogenen Wechsel zwischen langen und kurzen Zeilen geachtet werden.

Auch wenn beide Satzarten im Allgemeinen als gut lesbar gelten, wird der ungewohnte Flattersatz häufig als unruhig empfunden, sodass in der Praxis mehrheitlich der Blocksatz verwendet wird.

Der zentrierte Satz und der rechtsbündige Flattersatz eignen sich nicht für längere Texte, da die Lesbarkeit durch den unterschiedlichen Zeilenbeginn erschwert wird.

Blocksatz
linksbündig
zentrierter Satz

Kriterium Laufweite und Wortabstand

Die Laufweite ist der Abstand der Buchstaben untereinander. Ist dieser Abstand zu gering, haben wir Mühe, die Buchstaben voneinander zu unterscheiden. Ein großer Laufweitenabstand wiederum behindert den Lesefluss ebenfalls und ermüdet die Augen. Je größer eine Schrift ist, desto größer wirken die Buchstabenabstände. Daher wird bei Überschriften zum Beispiel oft der Weißraum zwischen den Buchstaben verringert, um sie kompakter darzustellen. Bei kleinen Schriften muss die Laufweite hingegen manchmal erweitert werden.

Auch die Wortzwischenräume – die bewusst gesetzten Leerzeichen – werden im Blocksatz häufig zum Problem. Um die Zeilen links und rechts bündig enden zu lassen, variieren hier die Wortabstände. Gerade bei langen Wörtern können dadurch unschöne Lücken im Text entstehen, die den Lesefluss beeinträchtigen. Durch Silbentrennung und Laufweitenveränderung kann hier etwas entgegengesteuert werden – auch zu viele Trennungen erschweren jedoch das Lesen, weshalb es wichtig ist, hier eine ausgewogene Balance zu finden.

Zu große Laufweite
Zu niedrige Laufweite und Wortzwischenräume
Zu große Wortzwischenräume

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